Wie uns die Gesellschaft ein ständiges Konkurrenzdenken aufzwingt

Wenn man nicht genauer drauf achtet, fällt einem der dauerhafte Wettbewerb eigentlich gar nicht richtig auf. Man will ja immer das neuste Smartphone, das teuerste Auto oder die coolsten Klamotten haben, weil man das alles braucht und weil man das selber will. Oder?

 

Der Konkurrenzkampf durchzieht so gut wie alle Bereiche unseres Lebens. Doch glücklich macht er uns sicher nicht. Aber ist ein ständiger Wettbewerb, also ein „Sich-mit-anderen-vergleichen“ überhaupt aus unserer Gesellschaft wegzudenken?

 

Wenn man sich ein bisschen mit dem Thema Konkurrenz beschäftigt, stellt man fest, dass deren Ursprung im Tierreich zu finden ist. Es gibt dort sowohl zwischen verschiedenen Arten, als auch innerhalb einer Art, einen Konkurrenzkampf um begrenzte Ressourcen. Bei diesen Ressourcen handelt es sich zum Beispiel um Wohnraum, Nahrung oder Geschlechtspartner.

Quelle: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/konkurrenz/6581

Konkurrenzkampf macht uns kaputt - Kapitalismus und die gesellschaftlichen Folgen

Das ist natürlich völlig logisch und nachvollziehbar und den meisten wahrscheinlich auch schon bekannt. Doch auch in unserer „hochentwickelten“ Gesellschaft (ich rede hier in erster Linie von den Schichten der Industrieländer, die sich keine Sorgen um Essen oder Unterkunft machen müssen) hört der Wettbewerb nicht auf. Eigentlich macht der Mensch aus allem einen Wettbewerb. Egal ob im Sport, in der Wirtschaft oder sogar zwischen Städten, wie z.B. zwischen Köln und Düsseldorf. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie um alles in der Welt kann es passieren, dass selbst Städte konkurrieren müssen?

Global betrachtet ist ein ständiger Konkurrenzkampf natürlich mitverantwortlich für die Entwicklung des Menschen bzw. der Gesellschaft. In der Wirtschaft führt Wettbewerb (oder der Kapitalismus im Allgemeinen) dazu, dass Firmen Preise senken und immer neue und bessere Produkte entwickeln müssen (hätte sich die Planwirtschaft und nicht der Kapitalismus durchgesetzt, hätten wir wahrscheinlich immer noch kein Farbfernsehen). Auch im Sport treibt der Konkurrenzkampf die Athleten zu immer beeindruckenderen Leistungen. Während William MacLaren 1867 noch 11,0 Sekunden für den ersten 100m Lauf brauchte, hat Usain Bolt 2009 den aktuellen Weltrekord von 9,58 Sekunden aufgestellt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/100-Meter-Lauf

Ich persönliche halte diese „globalen“ Formen von Wettbewerb für absolut nachvollziehbar und auch wichtig für den Menschen - zum einen natürlich für unsere Weiterentwicklung, zum anderen aber auch zur Unterhaltung. Es macht ja schließlich auch Spaß jeden Samstag seine Lieblingsfußballmannschafft anzufeuern.

 

iPhone x Konkurrenz (Konkurrenzkampf)

Was mich vielmehr stört, ist das Konkurrenzdenken auf „persönlicher Ebene“. Ein Beispiel: Wenn ich sehe, dass sich Leute direkt zum Release Tag ein iPhone X kaufen, kommt mir folgender Gedanke: „Ich würde mir jetzt auch gerne das beste Smartphone von Apple kaufen, aber momentan muss ich mit dem iPhone 7 auskommen. Aber das ist ja nicht so schlimm, weil andere haben ja vielleicht nur ein iPhone 5S, da muss ich mir ja gar nicht so blöd vorkommen, weil ich mir nicht das beste Smartphone leisten kann.“

 

Bei näherer Betrachtung, finde ich diese Beobachtung äußerst erschreckend. Dieses Denken hat nämlich jeder in sich - es ist das, was unsere Gesellschaft ausmacht. Man vergleicht sich mit anderen, man ist enttäuscht, dass andere bessere Sachen haben als man selbst, aber man tröstet sich damit, dass es auch Leute gibt, die schlechtere Sachen haben. Wenn man sich dann doch mal das beste Smartphone oder ein teures Auto gekauft hat, muss man das natürlich auch überall posten, damit es auch jeder mitbekommt. Und warum? Weil man will, dass andere sehen, dass man etwas „Besseres“ hat. Niemand würde auf die Idee kommen, sich jetzt ein gebrauchtes iPhone 5 bei eBay zu kaufen und das dann überall zu posten. Damit kann man ja niemanden beeindrucken.

Ich finde diese Beobachtung ziemlich traurig. Auch im Allgemeinen (das war auch der Konsens, wenn ich mit anderen über das Thema diskutiert habe) bekommt man das Gefühl, dass sich die Menschen untereinander nichts gönnen. Egal ob das jetzt die bessere Note in der Schule oder das neuere Smartphone ist, wer genau darauf achtet, erkennt vor allem eins – Neid. Und der zieht sich durch alle Generationen. Bei Kindern ist es vielleicht noch das coolere Spielzeug, bei Erwachsenen ist es dann der teure Sommerurlaub, aber Neid und Konkurrenzkampf gibt es überall.

 

Wer ist jetzt schuld daran? Viele würden wahrscheinlich sagen: „die Gesellschaft!“. Ja, natürlich trägt „die Gesellschaft“ ihren Teil dazu bei. Wenn man an der Uni beispielsweise keinen NC für viele Studiengänge bräuchte, wäre es den Leuten mit schlechteren Noten wahrscheinlich egal, dass sie „schlechter“ abgeschnitten haben. Doch dadurch, dass jeder Schüler eingetrichtert bekommt, dass er sich anstrengen muss und dass nur die besten am Ende viel verdienen, ist der Konkurrenzkampf schon vorprogrammiert.

 

Doch die Gesellschaft besteht ja eigentlich auch nur aus Individuen. Man könnte beispielsweise auch einfach sagen: „Ich bin zufrieden mit dem Smartphone, das ich habe. Es ist das Beste, das ich mir leisten kann. Es ist mir egal, was alle anderen für Handys besitzen, weil das beeinflusst ja nicht, wie zufrieden ich mit meinem Smartphone bin.“ Man müsste mal ausprobieren, einfach mal nur auf sich selber zu schauen und sich nicht immer zu vergleichen. Und man müsste auch mal anfangen, sich einfach für jeden zu freuen, der etwas Tolles erreicht hat oder sich etwas Tolles gekauft hat. Aber Vorsicht! Am Ende ist man vielleicht etwas glücklicher als vorher.

 

Ich freue mich sehr über Feedback und Kommentare zu diesem Artikel!

 

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