Warum wir nicht mehr glücklich sind

Wenn man sich in der Öffentlichkeit mit offenen Augen umschaut, stellt man etwas fest. Egal ob im Bus, im Hörsaal oder im Park – jeder lebt für sich und es findet kaum Interaktion zwischen den Menschen statt. Dieses Phänomen manifestiert sich besonders stark in der Haltung der einzelnen Leute. Der Blick ist gesenkt, die Hände umschließen das Smartphone; in den Ohren stecken Kopfhörer, die den Menschen dann völlig von der Außenwelt trennen.

 

Nicht, dass ich nicht auch mit Kopfhörern im Bus sitzen würde oder Schwierigkeiten damit hätte, auf fremde Leute im Hörsaal zuzugehen und mit ihnen ein Gespräch anzufangen. Doch immer, wenn ich das Smartphone mal in der Tasche behalte und den Blick umherschweifen lasse, fange ich beinahe an mich zu schämen, dass ich sonst Teil dieser reaktions- und emotionslosen Masse bin. Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige, desto erschreckender wird es für mich.

 

why our screens make us less happy Adam Alter
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=0K5OO2ybueM

In seinem Vortrag „Why our screens make us less happy“, geht Adam Alter auf die Auswirkungen des Smartphones ein. Er teilt den Arbeitstag des Menschen in vier verschiedene Abschnitte ein: Schlafen, Arbeiten, Überleben (Essen, Trinken, etc.) und Persönliches. Während die ersten drei Abschnitte für die meisten Menschen eher langweilig sind, geht es im letzten um das Schöne, das uns im Leben passiert. „This is where the magic happens“, sagt Alter. Nun werden diese magischen Momente jedoch in der heutigen Zeit stark gefährdet. Ich brauche eigentlich gar nicht aussprechen wodurch - wer ganz ehrlich zu sich selbst ist, weiß woran es liegt. Während 2007 noch weniger als die Hälfte des „Persönlichen“ vom Smartphone ausgefüllt wurde (roter Balken), ist nun, 2017, fast nichts mehr von der Zeit übrig, in der wir kreativ werden, Hobbys ausüben oder einfach mit Freunden das Leben genießen (der gelbe Bereich in der Grafik).

Und nicht nur das. Wenn man es wirklich vollkommen objektiv betrachtet, ist das Verhalten eigentlich nur noch als krank zu bezeichnen - es ist, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr gesund. Es ist eine Sucht. Ich studiere in Maastricht und die Niederlande sind bekannt dafür, eine große Fahrradnation zu sein, mit entsprechend gut ausgebauten Fahrradwegen, die zwangsläufig natürlich auch manchmal die normalen Straßen kreuzen oder diesen zumindest gefährlich nahekommen. Als Fußgänger erschreckt es mich dabei immer wieder, wenn ich sehe, dass Leute, egal ob jung oder alt, freihändig auf dem Fahrrad sitzen und mit beiden Händen ihr Smartphone umklammern – den Blick natürlich nicht nach vorne, sondern auf das Display gerichtet. Wie soll man denn sonst seiner achtliebsten Freundin schreiben, was man heute Morgen gefrühstückt hat? Laut „Mobil in Deutschland e.V.“, hält aktuell auch jeder 14. Autofahrer auf deutschen Straßen beim Fahren sein Handy in der Hand. Gefühlt würde ich sagen, dass es in Wirklichkeit sogar mehr sind.

 

Und damit immer noch nicht genug. Wer vor dem Einschlafen intensiv am Handy oder Tablet ist, schläft erwiesenermaßen schlechter. Besonders das Nachrichtenschreiben via WhatsApp, erhöht unsere Anspannung deutlich und hält uns vom Einschlafen ab. Darüber hinaus, kann es sogar zu einer Sucht kommen, bei der eine gewisse Grundanspannung den Schlaf wesentlich leichter und wenig erholsam macht, damit nachts noch überprüft werden kann, ob neue Nachrichten eingetroffen sind. 

(Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schlafstoerungen-die-gefahr-von-smartphones-und-handys-a-1120373.html).

 

All das hat mich in letzter Zeit zum Nachdenken gebracht. Ich selbst bin extrem technikbegeistert und sitze bei jeder Apple Keynote gebannt vor dem MacBook.  Und auch Instagram und WhatsApp checke ich gewohnt lässig noch kurz vor dem Einschlafen und wundere mich, warum ich am Wochenende nach zehn Stunden Schlaf überhaupt nicht erholt bin. Doch ich habe beschlossen, zu versuchen etwas bewusster zu leben. Ich möchte nicht, dass mein Leben vollends durch mein Smartphone bestimmt wird.

 

So manch einer wird sich vielleicht nach diesem Text denken, dass er überhaupt nicht davon betroffen ist und dass ich ja eigentlich völligen Quatsch erzählt habe. Doch es würde mich freuen, wenn ich mit diesem Artikel, den ein oder anderen einfach zum Nachdenken bringe. Ich möchte nicht vorschlagen, dass man statt zum iPhone 8 demnächst wieder zum Nokia 8210 ohne WhatsApp und Facebook greifen soll. Ich denke, wir sollten wieder anfangen mehr zu leben und mehr zu erleben, indem wir den Bereich in dem „the magic happens“, einfach etwas weniger von unseren Displays eingrenzen lassen. Vielleicht dem netten Mädchen im Bus einfach mal zulächeln oder mit dem Sitznachbarn im Hörsaal einfach mal ein Gespräch beginnen und nachdem man festgestellt hat, dass man die soziale Interaktion doch überraschenderweise genießt, nach der Vorlesung noch einen Kaffee zusammen trinken gehen. Ist es nicht das, was uns eigentlich glücklich macht?

 

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